Faschingsdienstag in der Herkuleskeule
- vor 3 Stunden
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**Für Faschingsbälle zu alt – aber definitiv nicht zu alt zum Lachen**
Ein knappes Dutzend Dresdner HaMSter hatte beschlossen: Konfetti in den Haaren muss nicht mehr sein – aber ein paar Lachtränen gehen immer! Schon das Plakat und der verheißungsvolle Titel „Leise flehen meine Glieder“ ließen ahnen, dass hier keine Superhelden auftreten, sondern Menschen mit gelegentlich knirschenden Knien. Geschrieben wurde das Stück von Wolfgang Schaller und Peter Ensikat – zwei Herren, die wissen, wovon sie sprechen.
Passend dazu nutzten vor allem die älteren Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe die Gelegenheit. Der großzügige Zuschauerraum im Kulturpalast Dresden zeigte sich erfreulich barrierefrei – selbst in der 9. Reihe parkten die Rollatoren in Reih und Glied wie geschniegelt.
Der Abend begann mit einem digitalen Männerchor, der das berühmte Ständchen „Leise flehen meine Lieder“ von Franz Schubert anstimmte. Romantik pur – nur dass diesmal vermutlich eher die Gelenke leise flehten. Hier der Originaltext:
Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu Dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm' zu mir!
(Flüsternd
Schlanke Wipfel rauschen
In des Mondes Licht;
Des Verräthers feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
Hörst die Nachtigallen schlagen?
Ach! sie flehen Dich,
Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,
Rühren mit den Silbertönen
Jedes weiche Herz.)

Dann nahmen sie auf der Bank Platz: Brigitte Heinrich mit ihren Sliwowitz-Fläschchen (rein medizinisch, versteht sich), Alexander G. Schäfer und Frank Weiland. Und nun wurde schwadroniert, sinniert, philosophiert – über das Altwerden, das Glück, die Liebe, die Politik und darüber, warum früher angeblich alles besser war (außer die Hüften).
Obwohl das Stück bereits über 2000 Mal aufgeführt wurde, wirkte es kein bisschen angestaubt. Ganz im Gegenteil: Die aktuellen Spitzen reichten bis nach Grönland – klimatisch wie politisch ein heißes Pflaster.
Den größten Beifall gab es für die Songs. Von Klassik über Proletarierlieder bis hin zum modernen Kirchenlied wurde musikalisch alles zitiert, was Rang, Namen und Ohrwurmqualität besitzt. Manche summten leise mit – andere überprüften vorsichtshalber, ob ihre Lachmuskeln noch funktionieren.
Elvira brachte es auf den Punkt:
„Meine Lachmuskeln wurden stark in Anspruch genommen.“
Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht: Muskelkater inklusive.
Als wir schließlich hinaus in den feuchten Neuschnee traten, waren die Wege zwar rutschig, die Stimmung aber heiter. Bleibt zu hoffen, dass alle gut nach Hause gekommen sind – notfalls mit vorsichtigem Schritt und beschwingtem Herzen.
Christine























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